Wandern in den Bergen. Tolle Aussichten für den Urlaub. Kein Strand, keine Szene, keine Kultur - nur Natur pur!
Ob das etwas für den urbanen, schwulen Bär ist?
So ungefähr ging es mir durch den Kopf als wir bei der etwas chaotischen Urlausplanung dieses Jahr auf die Idee kamen, im hinterletzten Tal Tirols ein paar Tage Urlaub zu machen.
Durch ein paar Projekte auf der Arbeit mussten wir unseren Urlaub verschieben und komplett umplanen - aus den 3 Wochen unter der Sonne des Südens wurden nur noch 14 Tage die noch dazu weit nach hinten verschoben wurden. Da passte einfach kein großer Urlaub mehr rein.
Also kleine Brötchen backen und "back to the roots". Schließlich haben wir ja fast alle einmal unsere ersten Urlaubserfahrungen mit den Eltern beim Wandern in den Bergen gemacht.
Eine kleine, günstige Pension war nach einigen Empfehlungen schnell gefunden. In Madseit, zwischen Tux und Hintertux im gleichnamigen Tuxertal gelegen, erwartete uns die Pension "Haus Bergheim".
Umgeben von 3000er in luftigen 1400m Höhe war die Kulisse für diesen anfangs etwas gewöhnugsbedürftigen Urlaub schon ganz ordentlich.
In Ermangelung größerer Orte, wo man touristentypisch den ersten Abend mit der Sondierung der hiesigen Geschäfte, Restaurants und Bars verbringt, stürtzen wir uns sofort auf unsere erste Wanderung entlang des Tuxbaches Richtung Hintertux.
Die Vermieterin klärte uns auf, dass man getrost die Warnschilder ignorieren könnte, die vor Bergstürzen warnen. Bei dem schönen Wetter wird schon nichts aus der Felswand abbrechen. Also bahnten wir uns den Weg durch den breiten Geröllfächer der erahnen ließ, welche Naturgewalten hier immer wieder den Menschen das Leben schwer machen.
Am Ende des Weges bedeutete uns ein Schild, nicht weiter zu gehen, da der Weg eine Sackgasse sei. Pah! Sackgasse! Das kennt man ja aus der Stadt. Irgendwie, irgendwo gibt es für den Fußgänger immer einen Weg weiter. Also frisch ans Werk und wo man gerade schon die Warnschilder zum Bergsturz geflissentlich ignoriert hatte, wird man das hier sicher auch so halten können.
Knappe 1000m weiter, quer über die Kuhweide und immer entlang am Tuxerbach, verengte sich die mögliche Fläche zum wanderen immer weiter - und verschwand dann völlig. Also entweder umdrehen oder durch den eiskalten Gletscherbach auf die andere Uferseite - Kneipp lässt grüßen!
Aber das soll ja gesund sein...
Merksatz 1: Eine Sackgasse in den Bergen IST eine Sackgasse. Für jeden und alles!
Merksatz 2: Keine Abkürzungen gehen! Man weiß nie, welche Hürden sich hinter der nächsten Ecke verbergen.
Zwar kamen wir erst bei Dunkelheit von diesem ersten Trip zurück, aber noch wurden keine Suchmannschaften losgeschickt ;-)
Am nächsten Morgen ging es dann gleich den Berg hoch, Richtung Gletscher. Über klare Gebirgsbäche, aus denen man bedenkenlos seinen Durst löschen konnte. Vorbei an großen und kleinen Wasserfällen, die aus schwindeleregender Höhe herab-stürzten. Immer wieder mitten durch zufrieden vor sich hin käuende Kuhherden. Gelegentlich sehr kraxelig und anstrengend für den eher wohlbeleibten Großstadtbär, aber immer wieder belohnt von amtemberaubenden Ausblicken. So schafften wir knappe 1200 Höhenmeter und gönnten uns dann auf dem Rückweg den Luxus, mit der Seilbahn zu fahren.
Aber am Abend lockte uns dann die leckere, deftige Küche Tirols und ein schönes kühles Bier ins hiesige Wirtshaus.
In den folgenden Tagen haben wir dann so ziemlich alle interessanten Wege auf die Berge hinauf und wieder herab erkundet. Es war immer anstrengend aber auch immer irgendwie schön und befriedigend. Und die Belohnung am Abend - das leckere Essen - ließ einen schnell die Mühen vergessen.
Sicher, man steht relativ früh auf, es gibt keine Szene (null, niente, nada, nix) aber man kann auch ohne den üblichen Rummel einen schönen Urlaub verbringen. Vielleicht sogar einen deutlich erholsameren als wenn man sich täglich dem Showlauf der Tunten hingibt und überlegen muss, was man anzieht...
Und neulich blättere ich im aktuellen Hinnerk und was muss ich da lesen? Der Berg ruft! Die Schwulen entdecken den Wander- und Kletterurlaub in den Bergen für sich.
Verdammt! Und ich dachte, wir wären mit diesem Urlaub mal nicht dem Mainstream gefolgt und hätten mal etwas ganz unschwules gemacht...
Servus und bis bald Andi

