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Gehörlos = Sprachlos?
Sind wir behindert, weil wir einen Hörschaden haben oder werden wir behindert?
Behindert sind wir „nur“ wegen dem Hörschaden nicht. Unsere Gehörorgane sind beschädigt. Das ist alles! Das heißt jedoch nicht, dass wir hirngeschädigt sind oder andere Behinderungen haben. Und so lassen wir uns auch nicht abstempeln, sobald wir die Deutsche Gebärdensprache (DGS) als die Kommunikationsform verwenden. Sie ist eine vollwertige Sprache wie jede andere auch. Sie hat eine eigene Grammatik und ist sogar komplexer als die Lautsprache, weil Gestik, Mimik etc dazu kommen. Sie ist auch anerkannt worden und gesetzlich verankert. Genaues, bezüglich dieser Sprache, kann ich leider nicht viel dazu sagen. Dafür gibt es Gebärdensprachinstitute. Einer davon ist in Hamburg.
Uns Gehörlosen wird sehr oft das Leben schwerer gemacht, wenn es darauf ankommt. Wollen wir Karriere machen, müssen wir uns doppelt anstrengen, um uns gegen Nichtbehinderte behaupten zu können. Sticheleien sind da nicht selten. Da werden wir doppelt belastet. Sehen Sie da gehörlose Selbstständige? Natürlich! Nur haben Sie sich nicht damit befasst, geschweige denn sind sie ihnen begegnet. Oder der Vorurteil ist immer noch vorhanden: das schaffen sie nie!
Die Unterdrückung ist leider Gang und Gäbe. Als Beispiel: vor 1889 gab es gehörlose Lehrer, Wissenschaftler, Forscher usw. Just im erwähnten Jahr wurde im Mailänder Kongress für ein Verbot der Gebärdensprache plädiert. Nach dem Beschluss durften Gehörlose ihre Berufe in hohen Positionen nicht mehr ausüben, sprich ihnen wurde der Boden unter den Füßen gerissen. Dann folgte eine dunkle Zeit...
Genauso fühlen wir, wenn wir bei den Stammtischen von Euch „nur“ mit „Hallo, wie geht’s“ begrüßt werden. Da sind wir der Ohnmacht sehr nahe. Ihr habt doch Grips im Hirn und doch keinen Mut, die Hemmschwelle (bloß nicht hemmungslos werden, grins) herunterzufahren, um uns endlich was Gescheiteres sagen zu können. Wir können nicht immerzu auf Euch zugehen, da wir nicht wissen, was bei Euch an Gesprächsthemen anfallen, ohne gleich ins Dornröschenschlaf zu verfallen.
Damit Ihr auch wisst, wie Ihr mit uns umzugehen habt, sind hier einige Tipps aufgelistet:
geht nicht von hinten heran. Eure Schritte können wir nicht hören. Damit scheucht Ihr uns nur auf.
Bloß nicht zu nah von vorne herangehen. Schielen können wir nicht, wenn wir von den Lippen ablesen wollen und eine ordentliche Portion Odol haben wir nicht bereit. Ein Meter Abstand voneinander und unsere Rücken sollen zum Licht zeigen sind ideal fürs Ablesen von den Lippen.
